| WDR5-Funkhausgespräche mit Teilnehmer des Kölner Bildungsstreiks |
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| Montag, den 01. Februar 2010 um 19:18 Uhr |
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Am Donnerstag, den 04.02.2010 wird ein Streikender der Universität zu Köln im Rahmen der Sendung "Funkhausgespräche" auf WDR 5 an einer Diskussion teilnehmen. Die Sendung wird auf 88,0Mhz (Frequenzen auf der Karte) von 20.05 bis 21h live überagen. Außerdem können alle interressierten in en Kleinen Sendesaal im WDR-Funkhaus Wallraffplatz kommen und das Gespräch vor Ort verfolgen. Teilnehmer des Gesprächs werden sein: – Andreas Pinkwart (FDP), "Innovationsminister" des Landes NRW |









Kommentare
noch eine Ergänzzung zu den 400 Stellen.
aus unser heutigen Pressemitteilun g:
Mehr als 10 Millionen Euro für zusätzliche Dozenten
Die Universität zu Köln hat die gesamten Studienbeiträge des akademischen Jahres 2008/09 für weitere Verbesserungen der Studienbedingun gen und der Lehre eingesetzt. Insgesamt nahm die Universität vom 1. Oktober 2008 bis zum 30. September 2009 rund 25 Millionen Euro an Netto-Studienbeiträge n ein, die komplett zur Verbesserung des Studiums und der Lehre investiert wurden.
Wie der zuständige Prorektor für Planung und Finanzen, Prof. Dr. Horst Schellhaaß betont: „Die Universität zu Köln setzt Studienbeiträge und Hochschulpaktmi ttel auch zur Einstellung von Professorinnen und Professoren ein.“
Gegenwärtig verbessern 10 neue Professuren das Lehrangebot, Ende des Jahres werden es bereits mehr als doppelt so viele sein.
Rektor Prof. Dr. Axel Freimuth: „Wir freuen uns, dass in diesem Jahr alle Fakultäten ihre finanziellen Ziele erreicht haben. Wir haben nicht nur das Verhältnis von Lehrenden und Studierenden erheblich verbessern können, sondern werden in diesem Jahr auch unser zentral gelegenes neues Seminargebäude einweihen können.“
Eine Auswahl der Projekte 2010
* Das zentral gelegene Seminargebäude mit 10 Seminarräumen, PC- Lesebereich, Cafeteria und AStA-Büro wird 2010 seinen Betrieb aufnehmen. Kosten: über 10 Mio. Euro.
* Allein in der Philosophischen Fakultät sind 28 neue Lecturer eingestellt worden, um unter anderem beim Sprachunterrich t und in der Didaktik aktiv zu werden. Kosten: rund 1,6 Mio. Euro.
* In der WiSo-Fakultät wird neuer Arbeitsraum für Studierende geschaffen. Rund 200 neue Arbeitsplätze mit Computern und Internetzugang werden dadurch entstehen. Kosten: rund 1,3 Mio. Euro.
* Das Studierendenhau s der Medizinischen Fakultät wird in diesem Jahr bezugsfertig. Neben Arbeitsplätzen werden Seminarräume sowie ein Skills-Lab und Simulationszent rum bereitgestelt.
* Das Projekt „Innovation in der Lehre“ wurde im letzen Jahr angestoßen, dadurch werden vier Millionen Euro zur Entwicklung und Erprobung exzellenter Lehrkonzepte eingesetzt.
In allen Kommissionen, die über die Verwendung von Studienbeiträge n beraten, haben die Studierenden die Hälfte der Stimmen.
Viele Grüße,
Patrick Honecker
Masschelein/Simons: Globale Immunität
Hier ein Auszug http://www.diaphanes.de/pdfs/lp_immunitaet.pdf
Inhalt
Einleitung
I. Wer bewohnt den europäischen Bildungsraum?
13
Autonomie und Technologie in einer Lernumgebung 14
Die Figur des selbständigen, unternehmerisch en Studierenden 19
Die Kapitalisierung des (Zusammen)leben s 22
Die Verwaltung des unternehmerisch en Selbst und seiner sozialen Beziehungen 28
Die Selbstmobilisie rung und das »Arbeiten lassen«
von Kompetenzen 34
II. Die Führung des europäischen Bildungsraums
und seiner Bewohner41
Die »Ökonomisierung des Sozialen« 43
Inklusion: Wir, die Stakeholder! 50
Das permanente Qualitätstribun al 61
Die Lern-Kraft des Unternehmertums 66
Das Projekt einer unternehmerisch en (Hoch)schule 70
Passage: Unser Überleben und der sinntragende Andere 79
Anhang: Die Welt, den Erwachsenen gezeigt
87
Das Regime der Immunisierung 90
Dem Kind in die Welt helfen:
Ausgesetztsein und e-dukative Praktiken 108
Verwendete Literatur 123
»Vielleicht ist es heute nicht so sehr das Ziel, zu entdecken,
was wir sind, als vielmehr zurückzuweisen, was wir sind«
Michel Foucault
9 Einleitung
Der Anlaß für den vorliegenden Text ist ein zunehmendes Unbehagen
über die Art und Weise, wie wir heute über Bildung und Erziehung denken und sprechen. Manch einer beklagt, das Gebiet
von Bildung und Erziehung werde durch die Wirtschaft kolonisiert oder gar terrorisiert. Das ist hier nicht unser Blickwinkel.
Auch ist es nicht unser Anspruch, die (wissenschaftli che,
soziale oder ethische) Gültigkeit des herrschenden Denkens und Sprechens zu beurteilen und so die Grenzen dessen zu bestimmen,was über Unterricht und Bildung rechtmäßig gesagt oder
gedacht werden darf. So verstehen wir das aktuelle Sprechen und Denken denn auch nicht als eine Ideologie, sondern als eine operativ und effektiv wirksame Realität. Dieses Denken und Sprechen
installiert in gewissem Sinne ein Regime, das uns auf eine bestimmte Weise interpelliert und bestimmte Wirkungen hervorruft.
Uns geht es darum, diese Wirkung und Wirksamkeit zu
kartieren, eine knappe Kartographie dessen zu entwerfen, was
dieses Denken und Sprechen sowohl sichtbar als auch sagbar
macht und was von diesem Denken und Sprechen erzeugt wird.
Dadurch werden wir vielleicht sensibler für das, was dem Sehen,
dem Sagen und dem Leben entzogen wird: die unbeleuchtete
oder dunkle Seite. Und vielleicht läßt sich so auch Raum für ein
anderes Denken und Sprechen finden, ohne konservativ, nostalgisch
oder »unrealistisch« zu sein oder zu werden.
In der Bologna-Erklärung des Jahres 1999 wird ein »Europa des
Wissens« als »unerläßliche Voraussetzung für gesellschaftlic he und menschliche Entwicklung sowie als unverzichtbare Komponente der Festigung und Bereicherung der europäischen Bürgerschaft
« angesehen. Um ein solches Europa zu schaffen, so die
Erklärung, sei eine »European Higher Education Area« unverzichtbar.
Dieser europäische Bildungsraum solle auf internationale
Wettbewerbsfähi gkeit, Mobilität und
»employability«
, d.h. arbeitsmarktbez ogene Qualifizierung bzw. Einsetzbarkeit abzielen.
Dabei werden sechs Ziele formuliert:
1. die Schaffung eines
Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, das
sich 2. auf zwei Zyklen stützt und
3. ein Leistungspunkte system
einschließt; darüber hinaus 4. die Förderung von Mobilität (von
Studenten, Dozenten und Wissenschaftler n), 5. die Förderung
der Zusammenarbeit in der Qualitätssicher ung und 6. die Förderung
einer europäischen Dimension im Hochschulbereic h.
Manche dieser Ziele sind schon heute Teil unserer Erfahrungswelt,
und zwar auf eine spezifische Art und Weise: Die Fragestellung
lautet, wie wir sie verwirklichen und operationalisie ren
können, welche Probleme sie mit sich bringen und wie wir diese
lösen können.
Die Frage, die wir als Ausgangspunkt für die vorliegende, eingegrenzte
Untersuchung wählen möchten, ist eine andere, aber sie
ist sehr einfach. Sie bezieht sich auf diesen europäischen Bildungsraum,
von dem man sagt und hört, daß er zur Zeit entsteht
und gestaltet wird und von dem angenommen werden kann, daß
er Teil dessen ist, was man heute eine lernende Gesellschaft oder
Wissensgesellsc haft nennt. Diese Frage lautet: Wer sind die Bewohner
dieses Raumes oder dieser Gesellschaft? Anders ausgedrückt:
Wer sind wir heute? Das bedeutet nicht: Wer sind wir im
wesentlichen oder wirklich oder eigentlich, sondern wer sind wir
11
Einleitung
jetzt, in diesem Augenblick, in diesem spezifischen Kontext?
Oder vielleicht besser und präziser: Wer sollen wir der Erwartung
oder Anforderung nach sein? Mit anderen Worten: Von
wem erwartet man, daß er die lernende Gesellschaft – und im
besonderen den europäischen Bildungsraum – bevölkert?
Vielleicht ist es auch noch wichtig, vorab darauf hinzuweisen,
daß wir im Text vor allem das Wort »Schule« oder »Hochschule«
verwenden. Damit sind aber auch ausdrücklich die Universitäten
gemeint. Im übrigen sind wir davon überzeugt, daß unsere
Beschreibung zu einem großen und wichtigen Teil für das Bildungswesen
als Ganzes gilt, ja sogar für andere gesellschaftlic he
Bereiche wie den Pflegesektor oder die Arbeit mit jugendlichen
Straftätern und schwererziehbar en Jugendlichen.
Beim Verfassen dieses Textes haben wir viele verschiedene Quellen
zu Rate gezogen und sind von einer großen Zahl von Autoren
inspiriert worden. Wir haben uns dafür entschieden, in den
Text selbst nur wenige Verweise aufzunehmen. Dies dient dazu,
unseren Ausgangspunkt zu stärken, daß es um eine anonyme
Interpellation geht und daß das Regime keinen lokalisierbaren
oder identifizierbar en Urheber hat. Aber natürlich haben wir
dennoch auf zahlreiche Autoren und Texte zurückgegriffen .
Wichtige (theoretische) Verweise werden darüber hinaus ganz
allgemein als Fußnote aufgeführt. Der interessierte Leser findet
am Ende des Buchs einige bibliographisch e Angaben, die wir
thematisch geordnet haben. Wir hoffen, auf diese Weise unsere
»Schuldigkeit« getan zu haben und dem »intellektuelle n Kapital
« einigermaßen gerecht zu werden. Dessenungeachte t möchten wir anmerken, daß uns die Texte von und die Gespräche mit Ulrich Bröckling besonders inspiriert haben. Darüber hinaus haben uns verschiedene Personen durch ihre Kommentare und Anmerkungen zu früheren Versionen des Textes geholfen: Mariette Hellemans, Geert Kelchtermans, Myriam Philips, Norbert
Ricken, Trui Schellens und Rudi Visker schulden wir viel Dank.
Schließlich haben auch die vielen Diskussionen während der
Seminare zum Thema »Gouvernemental ität« am Centrum voor fundamentele pedagogiek
beim Zustandekommen dieses Textes
eine wichtige Rolle gespielt.
ich freue mich, dass wir uns annähern.
Zu den Äußerungen des Ministers kann ich keine profunde Stellung nehmen, ich kenne die internen Abläufe in seinem Ministerium nicht. ich war aber einige Zeit für eine Regierungskommi ssion (wer es wissen will, hier mein Lebenslauf
https://www.xing.com/profile/Patrick_Honecker2)
tätig, so dass ich politische Abläufe einschätzen kann.
Nicht nur Stiftungen haben Einfluss auf Politik, es gibt viele sogenannte "Stakeholder" (kann man vielleicht mit "Beteiligten" im weitesten Sinne übersetzen und ist nicht mit Shareholdern zu verwechseln) die in Bezug aug Bildungspolitik eine Rolle spielen, dazu gehören natürlich auch Parteien, Gewerkschaften (wie die GEW), Unternehmensver bänd, die EU, HRK, DFG etcetc. Dadurch entsteht ein demokratisches System des gegenseitigen ausbalancierens .
Und...wieso helfen die befristeten Stellen nicht? Wenn mehrere hundert Menschen mehrere Jahre ein gutes Gehalt (um die 2000€ Netto) bekommen, hilft das erst einmal ihnen als Arbeitnehmerinn en und Arbeitnehmer.
Den Studierenden hilft es natürlich auch, denn es kommen engagierte Menschen in die Hochschule, die bei der Vermittlung von Bildungsinhalte n helfen.
So long,
Patrick Honecker
Sollte es wirklich ein Interesse zur inhaltlichen Diskussion seitens des Rektorats geben, so sollte der Kontakt zu unserer Pressestelle bekannt sein.
ich sehe, wir nähern uns an. Bertelsmann betreibt Lobbyarbeit, die dann von einer gewählten Regierung umgesetzt wird. Wenn mir dies als Wähler nicht gefällt, steht es mir frei, die Partei abzuwählen, richtig. Daran ist nichts falsches, aber weil die Gelegenheit so schön ist, möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass Herr Pinkwart am Donnerstag in diesem Punkt gelogen hat; seine Motive sind rätselhaft. Er hätte durchaus zugeben können, dass er mit dem CHE kooperiert hat, illegal ist das ja nicht. Nun ja.
Da aber die Bertelsmannstif tung und ähnliche Einfluss auf jede Partei hat, keine Partei sich ihr widersetzt und im bildungspolitis chen Programm folglich kaum Unterschiede bestehen, das lässt zumindest mich an der Demokratie verzweifeln. Wer bestimmt die Agenda? Ist es noch der Souverän, das Volk? (Dies sei nur eine abschließende Bemerkung.)
Natürlich wäre es toll, 400 unbefristete Stellen zu schaffen, natürlich. Sie sind aber befristet und helfen nicht. Deswegen sollte man sie auch nicht euphorisch feiern und als Solidaritätsbek undung missdeuten. Der Anspruch der Universität muss höher sein! Die Frage, die über allem steht, muss nicht sein: Was kostet es? sondern: Was ist es uns wert?
Herzlichst,
Katharina
sie bemängeln, dass ich zwei Fragen nicht beantworte, die nach dem Einfluss der Bertelsmann-Stiftung und die, ob die 400 befristeten Stellen nicht besser durch unbefristete ersetzt werden sollten.
Ich versuche es an dieser Stelle.
In einer Demokratie ist es üblich, dass in einem Gesetzgebungsve rfahren unterschiedlich e Gruppen gehört werden. Letzendlich entscheidet der Souverän
(also das Volk)
in der Wahl seiner Repräsentaten
(also der Politiker)
welche politische Präferenz es hat.
In NRW setzt die schwarz-gelbe Landesregierung dieses Votum um und die Universitäten finden sich ihn vielen Punkten gut vertreten. Wie gesagt, ich halte Studienbeiträge auch persönlich für eine Frage der Gerechtigkeit. Entsprechende Lobbyarbeit für diejenigen zu machen, die das Bildungssystem ohne Abschluss verlassen, wäre angebracht, nicht für die Gewinner aus in der Regel bürgerlichen Verhältnissen.
Natürlich wäre es toll, 400 unbefristete Stellen zu schaffen, auf der anderen Seite brauchen wir auch neue Erzieherinnen, Lehrer, Sozialarbeiter etc. und ich wünsche mir als Steuerzahler, das sich die Abgabenlast in Grenzen hält.
Diesen Spagat muss eine Regierung stemmen und, liebe Katharina, we are not alone. Ich möchte nicht zynisch erscheinen, aber wir leben in einer alternden Gesellschaft die Schwierigkeiten mit dem Solidarprinzip schon aufgrund der demographischen Entwicklung hat.
Wir hatten eine Generation Zeit uns der Illusion von Sicherheit und Versorgung hinzugeben. Diese Zeiten sind vorbei, leider.
Ihr
Patrick Honecker
herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen, allerdings verstehe ich den ersten Absatz ihrer Anmerkungen nicht. Zu keiner Zeit habe ich davon gesprochen, dass "DIE Wirtschaft" abzulehnenden Einfluss auf die Hochschulen nimmt. Das wäre mir ebenfalls zu undifferenziert , auch wenn ich weiß, dass diese Annahme öfter durch den Bildungsstreik geistert. Natürlich gibt es hier und da auch Fälle nicht-vorhandener "intrinsischer Motivation", und finanzielle Aspekte stehen vor einer Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit, aber das halte ich eher für ein Zeichen persönlicher Charakterschwäc he als für einen Fehler des Systems (auch wenn durch Drittmittel sicherlich leichter in Versuchung geführt werden kann als früher, aber was soll's). Wir stimmen da überein, im Gesetz ist die Freiheit von Lehre und Forschung verankert, und wer sich dagegen entscheidet, ist immer noch persönlich haftbar zu machen, nicht aber die Strukturen.
Die Kritik, die sich an der Einflussnahme der Bertelsmannstif tung entzündet, ist eine andere: Es geht nicht um ein legitimes Interesse u.a. der Arbeitnehmer, brauchbare Absolventen von der Hochschule zu erwarten. Dies war schon immer auch eine Aufgabe der Hochschule, Schule, Universität. Dass die neuen Ba/Ma-Studiengänge nun aber vielleicht zu sehr an den vermeintlichen Interessen der Arbeitgeber ausgerichtet sind, und diese dabei u.U. verfehlen, das sagt ja sogar Herr Freimuth.
Der Punkt der studentischen Kritik ist die Forcierung eines bestimmten Menschenbilds, das durch die B-Stiftung und beispielsweise die insm angestrebt wird, das durch die Studiengebühr ensteht und sich durch die gesamte Bologna-Reform zieht. Darum steht die Forderung nach Abschaffung der Studiengebühr in den Forderungen der Kölner Studierenden auch erst an letzter Stelle; wir halten sie nicht für die Wurzel allen Übels, sondern für ein Symptom. Ich darf aus den Forderungen zitieren:
"Die Studiengebühr fordert die Studierenden in doppelter Hinsicht zu rein ökonomischem Denken auf: Sie forciert das Selbstverständn is der Studierenden als Humankapital und macht sie zu Unternehmern ihrer Biographie. Zugleich wird Bildung als Mittel zur Steigerung der eigenen marktmäßigen Verwertbarkeit gedacht."
Es ist exakt jener Denkrahmen, in dem sich unsere Handlungen vollziehen sollen. Zwei Argumente werden dabei immer wieder gebracht, die Sie auch anführen:
1) Der Staat hat kein Geld, die Bildungseinrich tungen zu finanzieren.
Dies kann man auch die "Politik der leeren Kassen" nennen, eine Politik, die umgesetzt werden muss, weil für eine Alternative das Geld fehlt. Wenn man sich aber ansieht, für was dann Geld da ist, natürlich kommt hier als Beispiel die Bankenrettung und der Kriegseinsatz in Afghanistan, dann darf man sich wundern, dass für das wichtigste Projekt Bildung in dieser unseren Bildungsrepubli k offenbar kein Geld da ist. Wie auch immer, um dem erneuten Vorwurf der Verschwörungsth eorie zum umgehen, möchte ich nur anmerken, dass man zumindest anzweifeln kann, ob denn für die Bilung tatsächlich kein Geld da ist.
2) Das Argument der Zukunftsfähigke it bzw. eigentlich noch schöner, die Hochschule "zukunftsfit" machen zu wollen. Das Argument gehört eng zusammen mit der Aussage, dass kein Geld da ist. Aber woraus besteht denn die Zukunft, und wer gibt vor, wie sie zu sein hat? Ist die Zukunft nicht vielmehr Gestaltungsraum ? Und hat die Hochschule nicht vielmehr den gesellschaftlic hen Auftrag, die Zukunft zu gestalten, und sich Tendenzen, die schädlich sein könnten, entgegen zu stellen? Weswegen die Bologna-Reformen die Zukunft und die Gesellschaft beschädigen, steht meines Erachtens in den Forderungen der Studierenden palusibel begründet, deswegen möchte ich dies nicht weiter ausführen. Wahrscheinlich ist es die Aufgabe der Studierenden, die knappen Argumente, die wir bringen, in eine weniger elitäre Sprache umzusetzen und zu erklären.
Ich war sehr beeindruckt von Herrn Finzsch, der auf der Vollversammlung im Dezember öffentlich erklärte, er habe in seiner Zeit als Prorektor einen Fehler gemacht, für den er sich entschuldigen müsste. Dazu gehört menschliche Größe und Charakter, Bildung letztendlich.
Ich teile Ihre Ansicht, dass sich die Hochschule auf dem richtigen Weg befindet, nicht. Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft und um die Zukunft meiner Kinder, des Landes und der Gesellschaft.
Auf folgende Punkte meiner Replik sind Sie nun nicht eingegangen:
1) Kommt Ihnen der Einfluss der Bertelsmannstif tung auf die NRW-Gesetzgebung noch wie eine "Verschwörungsth eorie" vor?
2) Sind die 400 neu geschaffenen Stellen nicht letzendlich ein Witz, wenn sie nur den momentanen Bedarf decken? Dieses Problem wird in der Kölner Erklärung bereits erläutert:
Dies (Zeitarbeitsver träge) treibt zum einen das Auseinanderdrif ten von Forschung und Lehre voran, zum anderen trägt es zum „Flickenteppich -Charakter“ des Studiums bei, da nicht-hauptamtlich Lehrende in befristeten Beschäftigungsv erhältnissen häufig schon verschwunden sind, wenn Studierende zu den bei ihnen erarbeiteten Themen geprüft werden wollen. So müssen hauptamtliche Prüfer Stoff prüfen, den sie selbst nicht gelehrt haben.
Herzliche Grüße,
Katharina
auch wenn ich, wie Herr Timmler zurecht feststelllt, als Sprecher der Hochschule im Sinne meiner Profession spreche, so gibt es doch einige Punkte, die ich gerne sachlich anmerken möchten.
Die Vorstellung, die "Wirtschaft" (an sich schon ein heterogenes Gebilde) übernehme die Lenkung der Wissenschaft, lässt sich auf unser Hochschulsystem nicht übertragen.
Unser Grundgesetz, Art. 5 Abs. 3, beschreibt die Freiheit von Forschung und Lehre, eine Freiheit die sich unsere Professoren, selbstverständl ich auch die des Rektorats, nicht nehmen lassen.
Warum sollten sie auch, ist die Motivation in die Wissenschaft zu gehen in der Regel intrinsisch und nicht auf finanziellen Anreizen basierend.
Bertelmanns und Hochrektorenkon ferenz trugen z.Z. der Studienentstehu ng gemeinsam das CHE, ein Think Tank, der viele gute Ideen prouziert hat (und auch einige weniger gute). Zu den guten gehörte es, dass die Hochschulen mehr Autonomie brauchen, also weniger staatliche Gängelung. Das ist in NRW recht gut umgesetzt, mit dem positiven Ergebnis, dass wir in Köln z.B. selber über unsere Investitionen entscheiden können. Erst jetzt ist das neue Seminargebäude möglich, erst jetzt haben wir ein paar hundert neue Lehrkräfte eingestellt und erst jetzt können wir Mithilfe der Studienbeiträge unserer Einnahmen auf sicherere Füße stellen. Der Staat (und das ist in erster Linie der Steuerzahler) ist - gerade in diesen Zeiten - nicht alleine in der Lage die Hochschule zu finanzieren. Die Einnahmenseite zu diversifizieren ist hilfreich, auch Studierende und Stifter können uns helfen die Hochschule zukunftsfit zu machen.
Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.
Patrick Honecker
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