| Kölner Erklärung |
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Das Dokument wurde im Vormittagsplenum der Uni am 26.11.2009 von einem Dozenten der Uni Köln vorgestellt. Dieses Papier bildet einen Diskussionsstand von Lehrenden der Uni Köln ab und ist bisher nur Entwurf, aber gleichzeitig Gesprächsangebot. Wir freuen uns über die Erklärung der Lehrenden und möchten den Dialog mit diesen Lehrenden suchen. Download hier: http://www.bildungsstreik-koeln.de/index.php/downloads/category/8-?download=12%3A24.11. go to English version Kölner Erklärung ›Zum Selbstverständnis der Universität‹
Der Sog der Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche macht auch vor der Universität nicht Halt. Im Vollzug der aktuellen Reformen ist die Idee und der gesellschaftliche Auftrag der Hochschule in hohem Maße bedroht: Die Unterscheidung zwischen Universität, Fachhochschule und Studienangeboten von Discountern (Aldi) oder Elektromärkten (Saturn) ist nivelliert. Ein Vergleich fällt möglicherweise sogar zu Ungunsten der Universität aus, da die anderen Anbieter das Versprechen der Berufsqualifizierungen tatsächlich einlösen können. Dies ist Anlass genug, an das ursprüngliche Selbstverständnis der Universität zu erinnern: Sie gründet auf den Prinzipien der Universalität, Autonomie sowie einem unbestechlichen Willen zur Wahrheit. Wenngleich es in ihrer Geschichte immer auch Verfehlungen und ein Unterschreiten dieses Anspruches gab, konnte sie doch gerade durch ihre Unabhängigkeit in einem wesentlichen Sinne kulturelle und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Erschütternd ist, dass die Universität heute scheinbar dazu bereit ist, diesen Anspruch widerstandslos preiszugeben und sogar dienstfertig dessen Demontage voranzutreiben.
Die aktuelle Entwicklung bedroht die Fundamente einer demokratischen Gesellschaft und einer lebendigen Reflexionskultur. Mit dem hier vorgelegten Forderungskatalog wollen sich Lehrende der Universität zu Köln den aktuellen Einsprüchen von Studierenden und Schülern im Zuge des Bildungsstreiks solidarisch erklären und zu einem öffentlichen Streit um die (Idee der) Universität und deren augenscheinlichen Ausverkauf aufrufen. § 1. Wir fordern das Ende der epistemologischen Säuberungen an der Hochschule!Im Zuge des Bologna-Prozesses erlebt die Hochschule eine fortschreitende Delegitimation reflexiven Denkens gegenüber funktional-operativem Wissen. Der Studienaufbau folgt derzeit der Logik von Berufsorientierung und Kompetenzerwerb, während Fachsystematik und Forschungsorientierung in den Hintergrund rücken oder bereits ganz abgelöst sind. Dies schlägt sich auch in der Tendenz zur Marginalisierung oder Tilgung kleiner Fächer und Fachrichtungen nieder. Insgesamt bedeutet dies eine ungebührliche Verkürzung der Idee von Universität und beraubt die Studierenden der Möglichkeit einer akademischen Bildung.
Der Anspruch einer universalen und im Wortsinne universitären Bildung darf nicht aufgegeben werden. Reflexive, zweckfreie und grundlagentheoretische Forschung bildet die Grundlage der modernen Zivilisation, sie läuft einem legitimen Verwertungsanspruch nicht zuwider, sondern eröffnet erst den Raum für funktionale und verantwortungsbewusste Anwendungen. § 2. Wir fordern die Abschaffung der modularisierten Studiengänge BA/MA!Die Modularisierung hat zu einer Verschulung der Hochschulbildung geführt, die kaum Spielraum für ein sachinteressengeleitetes Studium lässt. Die BA/MA-Studiengänge überfordern durch Quantität und unterfordern in der Qualität, indem sie vor allem auf Kompetenzen zielen und die notwendige Reflexion verunmöglichen. Bildung lässt sich nicht modularisieren, sondern geschieht als individuell zu erarbeitende Sinngestalt. Die versprochene Berufsqualifizierung wird faktisch nicht eingelöst, eine wissenschaftliche Bildung unter dem Maßstab der Fachsystematik findet ebensowenig statt.
Es geht also nicht um eine Optimierung der Studiengänge, sondern um deren Abschaffung. Mit sofortiger Wirkung müssen die Studierenden zunächst in die alten Diplom-/Magister- und Staatsexamensstudiengänge überführt werden – und das in unbürokratischen Anerkennungsverfahren. Die formale und inhaltliche Umgestaltung der Studiengänge ist hiermit nicht aufgekündigt. Eine solche Umgestaltung muss aber in demokratischer Weise und unter Beteiligung von Studierenden, Lehrenden und anderen Verantwortlichen erfolgen. § 3. Wir fordern die Redemokratisierung der Hochschule!Mit der Schaffung der Akkreditierungsagenturen und des sie akkreditierenden Akkreditierungsrats haben neben wenigen Lehrenden und Studierenden weitgehend anonyme „Vertreter aus der Berufspraxis“ Entscheidungshoheit über die Studienverläufe von rund zwei Millionen Studenten in Deutschland übernommen. Durch Einrichtung des meist aus hochschulexternen Personen sich konstituierenden Hochschulrats ist der Universitätssenat als Legislative faktisch entmachtet. Hochschulratssitzungen finden zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dekanate etablieren zunehmend Top-Down-Strukturen. Die akademischen Akteure werden in ihrer Souveränität beschnitten. Immer mehr Forschungs- und Qualifikationsarbeiten entstehen im Auftrag von Politik und Wirtschaft, um möglichen Interventionen vermeintliche wissenschaftliche Begründungen vorauszuschicken und so Entscheidungen zu legitimieren. Faktisch stehen so Forschungsresultate schon vor Forschungsbeginn fest. Themen und Methoden werden dadurch der Hoheit der Forschenden entzogen.
Um Freiheit der Forschung nicht durch wissenschaftsexterne Partikularinteressen zu pervertieren, haben Wissenschaftler allein Gestaltungen innerhalb der Wissenschafts-institutionen zu legitimieren, zu bewirken und zu verantworten. Daher müssen Entscheidungsprozesse innerhalb der Universität der universitätsöffentlichen Kontrolle so zugänglich gemacht werden, dass sie auf ihren Sinn und Zweck befragbar sein können. Eine solche Reflexions- und Kommunikationskultur fußt prinzipiell auf Partizipation, Dialog und Argumentation und berücksichtigt auch Minderheitenpositionen. Polizeigewalt gegen solche, die mit guten Argumenten den Dialog suchen, darf es nicht geben! Demokratie ermöglicht die Partizipation eines jeden an Gestaltungsprozessen, die das Gemeinsame betreffen. Die Hochschule stellt ein Fundament einer solchen Gesellschaft dar. Akkreditierungsmaschinerie, die Institution des Hochschulrats und die Top-Down-Strukturen in den Fakultäten entdemokratisieren die Universität. Deshalb müssen sie abgeschafft werden. § 4. Wir fordern die Abschaffung der Studiengebühren!Studiengebühren sind sozial ungerecht. Wer durch Jobs die Gebühren erwirtschaften muss, studiert schlechter. Wer aufgrund seiner sozialen Position einen Kredit aufnehmen muss, zahlt effektiv mehr als die Bessergestellten. Studiengebühren forcieren zudem die Prekarisierung der Lehrenden und senken die Qualität des Studiums, weil sie nicht für Strukturbildung (unbefristete Stellen) genutzt werden dürfen. Studiengebühren müssen deshalb abgeschafft werden und in gleicher Höhe durch Landesmittel ersetzt werden.
§ 5. Wir fordern das Ende der Dequalifikation und Prekarisierung der Lehrenden!Die Situation der Lehrenden hat sich im Zuge des Bologna-Prozesses verschlechtert. Hohe Lehrdeputate und Stellenbefristung erschweren die Qualifikation und schaffen eine prekäre Situation für wissenschaftlichen Nachwuchs. Dieser Mangel wird durch sog. Juniorprofessuren und die verstärkte Tendenz zur kumulativen Dissertation und Habilitation nicht ausgeglichen, sondern weiter verschärft.
Dies treibt zum einen das Auseinanderdriften von Forschung und Lehre voran, zum anderen trägt es zum „Flickenteppich-Charakter“ des Studiums bei, da nicht-hauptamtlich Lehrende in befristeten Beschäftigungsverhältnissen häufig schon verschwunden sind, wenn Studierende zu den bei ihnen erarbeiteten Themen geprüft werden wollen. So müssen hauptamtliche Prüfer Stoff prüfen, den sie selbst nicht gelehrt haben. Statt weiterer Dequalifikation und Prekarisierung der Lehrenden sind demgemäß Maßnahmen zur Beförderung der Einheit von Forschung und Lehre sowie die Wiederbelebung des Gedankens einer Denk- und Forschungsgemeinschaft von Studierenden und Lehrenden unbedingt notwendig. § 6. Wir fordern, dass sich die Entscheidungsträger in Rektorat und Dekanaten Ihrer Verantwortung stellen, indem sie den Dialog mit Kritikern und Betroffenen suchen und entsprechende Korrekturen vornehmen!Der Eingriff in die akademische Kultur, der im Namen der sog. Reformen vorgenommen wurde, ist beispiellos in seiner Radikalität und in seinen Auswirkungen problematisch für die jetzige und die nachfolgenden Generationen der Lehrenden und Studierenden. Die Transformation der Hochschule vollzieht nichts weniger als die Auflösung der aufklärerisch-emanzipatorischen Bildungskultur mit einem unabsehbaren wissenschaftlichen, kulturellen und volkwirtschaftlichen Schaden für die ganze Gesellschaft. Eine Verschiebung der Verantwortung durch den Hinweis auf Zuständigkeiten (Rektorat, Land, Bund, EU) ist nicht zu akzeptieren.
Alle an Universität Beteiligten haben das Recht und die Pflicht, sich in verantwortungsvoller – das heißt: sach- statt partikularinteressengeleiteter – Weise an der inneren Erneuerung der Universität zu beteiligen. § 7. Schließlich fordern wir die Verbriefung tatsächlicher akademischer Freiheit in Forschung, Lehre und Studium und ein Bekenntnis der Universität zu ihrem Bildungsauftrag!Die ökonomistische Verkürzung des Studiums nach Maßgabe vermeintlicher Arbeitsmarkterfordernisse dient lediglich Partikularinteressen. Bildung dagegen dient immer dem gesellschaftlichen Allgemeinwohl. Die Universität realisiert diese Aufgabe nur in Freiheit: Sie darf weder von den Verwaltenden, noch von Lehrenden und Studierenden als Dienstleistungsbetrieb verstanden werden. Freie Forschung ohne Drittmittelhatz und Verwertbarkeitsdoktrin ist die Voraussetzung für Erkenntniszuwachs und Innovation! Umfassend gebildete Studierende sind in jedem Beruf erfolgreich und werden zu verantwortungsbewussten Gestaltern von Kultur und Gesellschaft.
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Kommentare
bin ebenfalls kein Angehöriger der Uni Köln sondern gerade in der Schlußphase eines Diplomstudienga ngs an der Uni Frankfurt. Ich unterstütze die Erklärung inklusive der Forderung die Modulstruktur innerhalb der einzelnen Fachbereiche rückzubauen. Es gibt Fächer wie die Ingenieurswisse nschaften oder die Biologie innerhalb deren sepzifischer Logik verschulte Module nicht das Hauptproblem darstellen. Das erfahre ich zumindest in Gesprächen mit KommillitonInnE n dieser Fächer. Hier benennen viele die Quantität und Prüfungsdichte als Übel und den daraus resultierenden Effekt, dass in 6 Semestern das angeeignete Wissen notwendigerweis e weniger umfangreich ist. Die Quantität ist in diesem Sinne auch für die Geistes- und Gesellschaftswi ssenschaften aller Couleur ein Problem. Hier kommt aber noch hinzu, dass die Verschulung (ich verstehe den Begriff als umfassende Fremdbestimmung von Inhalten, Prozessen und Strukturen)
hier sehr bedenklich auf die spezifischen "Wege zum Wissen" wirken. Der Denkprozess lässt sich in diesen Fächern nur unter schweren Absstrichen Zeitimperative aufzwängen, was die in der Erklärung skizzierten Ergebnisse befördert. Laborbedingunge n gibt es nicht. Und den häufig zu Recht beklagten Praxisbezug als primäres Strukturmerkmal liefern prä-Bologna in Deutschland doch die FHs par excellence. In diesem Zusammenhang heißt Bologna-Rückbauen nicht gleich die Gesellschafts- und Praxisferne der universitären Studiengänge im selben Schritt wieder zu erwecken. Gesellschaftlic he Probleme, Forschungsherau sforderung und methodische Innovation müssen für die Uni-Studierenden ganz konkret erfahrbar und praktizierbar gemacht werden. So wird überhaupt erst der Bezug von "Elite" zur Gesellschaft verständlich, zumindest wenn man auf dem Boden des Grundgesetz stehen will. Und nur so lässt sich auf die Initiative, Kreativität und Innovation des Studierenden auf dem Weg in die Arbeitswelt bauen. Deshalb muss realisiert werden:
1. Dass sich Begeisterung nur durch Erfahrung und Reflexion dieser Erfahrung wecken und aufrecht erhalten lässt. Aus diesem Grund ist die (unvereinbare) Entgegensetzung von Theorie und Praxis auch grundsätzlich zu verwerfen.
2. Selbstbewußtsei n und Vertrauen in die eigenen, weit gefächerten Fähigkeiten, Kenntnisse und Methoden bilden die Grundlage, um verändernd wirken zu wollen, zu können und 'out-of-the-box' zu denken.
3. Wer sich gesellschaftlic he Herausforderung und potentielle Mittel und Antworten um ihnen zu begegnen praxisnah, reflektiert und selbstbestimmt annehmen und aneignen kann, wird einen "Drang" entwickeln im Berufsleben wirken zu können, sich einzubringen.
Das enge Zeit- und Modulkorsett im BA geht insofern an den Erwartungen und Voraussetzungen vieler Studierenden, Arbeitgeber und wohl auch Lehrenden vorbei.
Mir erschließt sich nicht wie einzelne separierte Modul-Container hier eine Verbesserung bedeuten sollen. "Zurück" in den Elfenbeinturm oder das Hotel Abgrund möchte niemand, und das hier vorgetragene Argument des Statusrückgewin ns der Profs und Mittelbauler halte ich für Ablenkmanöver.
Bologna muss und kann eingedampft werden, denn es handelt sich nicht um eine Verordnung oder Richtlinie, die durch (ein schwaches) Europäische Parlament verabschiedet wurde, sondern eine intergouverneme ntale und von nicht-demokratischer Expertise abgeschirmte Willenserklärun g. Bologna ist aus europäischer Sicht damit rechtlich so bindend wie Zitronensäure in Milch. Die Mobilität innerhalb Europas Hochschullandsc haft zu fördern - so löblich dieses Ziel auch sein mag - wird angesichts und innerhalb gerade der deutschen Hochschulrealit äten zur Farce, wenn man überlegt wie schwer und bürokratisch beladen bereits der Hochschulwechse l und Anerkennungspro zess über Bundesländergre nzen hinweg sein kann. Was hier nicht klappt soll nun in Europa funktionieren?
Nein Nein, von Bologna sollten wir uns verabschieden und zurück zum alten, global immer anerkannten System zurück kehren. Hochschule und universitäre Bildung werden nicht innerhalb der Gesellschaft oder der Wirtschaft verankert, in dem sie partikularisier t und isoliert werden, sondern in umfassender Weise nicht mehr studierbar sind.
Besser etwas zu viel Misstrauen im Leben als zu wenig. Der zweite Weltkrieg und das Geschehen davor z.B. klingt für viele auch wie eine Science Fiction Geschichte, vielleicht würden wir es heute auch nicht glauben, wenn uns erzählt würde, unsere Regierung bringt Menschen in Vernichtungslag er, führt Experimente mit Menschen durch etc. - immer diese Verschwörungsth eorien! würden sicherlich viele sagen. Und ich möchte behaupten, die meisten Menschen haben einfach ihr Leben im System gelebt, ohne zu begreifen, wohin dieses System sie führt - bis es zu spät war.
Es geht um etwas Wichtiges, in der Politik geht es immer um etwas Wichtiges, denn es geht um uns alle. Und es ist wichtig, dass Menschen sich Positionieren, sich Gedanken machen und die Gegenwart begreifen um die Zukunft zu erahnen. Natürlich kann man sich auch darüber lustig machen und es ins Lächerliche ziehen, aber man kann sich auch damit beschäftigen und eine Haltung einnehmen. Etwas einfach nur Lächerlich machen ist jedoch keine Haltung.
Kommt mal auf euer Leben klar! :D
Wahrscheinlich entdeckt ihr demnächst noch das alle Universitäten von Illuminaten regiert werden und Leute die nicht rechtzeitig ihre Studiengebühren zahlen von angeheuerten Russen-Mafiosi in Seitenstraßen ermordet werden. xDD
Es gibt tatsächlich in einigen Länderministeri en und Hochschulen Bestrebungen, Modellversuche oder bereits realisierte Vorhaben, die starren BA/MA-Regelungen aufzuweichen. Das Ganze läuft unter dem Begriff "Teilzeitstudium ". Es handelt sich hier jedoch um Ausnahmeregelun gen für Studierende in besonderen Lebenslagen, z.B. Studierende mit Kind(ern), mit pflegebedüftige n Angehörigen oder mit gesundheitliche n Einschränkungen . Für diese Zielgruppen gibt es teilweise die Möglichkeit, die Studiendauer - unabhängig vom Studienabschlus s - zu verlängern, und auch für Prüfungen gibt es hier Sonderregelunge n. Insgesamt alles recht restriktiv, denn als "Normalfall" gilt immer noch der/die "Vollzeitstudier ende". Ein Anfang ist es aber immerhin.
Mögliche Ansatzpunkte im Hinblick auf ein "selbstbestimmte s Studium" sehe ich u.a. darin, (Massen-)Vorlesungen durch angeleitete Selbstlernphase n zu ersetzen. In den BA/MA-Studiengängen können m.W. für solche Selbstlernphase n, die in den Studiengang integriert sind, Workloads vergeben werden. Unterstützt werden könnte das Selbststudium durch eLearning-Angebote, gedruckte Studienbriefe, Literatur und die Vertiefung in kleinen Präsenzlerngrup pen. Ich denke jetzt nicht daran, das gesamte Präsenzlehrange bot zu ersetzen, sondern lediglich einzelne Teile, insbesondere Massenveranstal tungen. Ich denke, so würde sich für die Studierenden mehr Zeitsouveränitä t ergeben (was noch zu diskutieren wäre...). Das Studium würde dann nicht nur stärker selbstbestimmt, sondern wäre auch in höherem Maße selbstverantwor tet.
Es scheint ja so als seien auch wirkliche Entscheidungstr äger nicht zufrieden mit den BA/MA Studiengängen sind. Egal ob Shavan und co. uns tatsächlich helfen wollen oder wie manche Streikende sagen dem Streik nur den Wind aus den Segeln nehmen wollen, sollten wir sie beim Wort nehmen und ganz naiv davon ausgehen, dass sie mit uns eine neue Bildungsreform entwickeln wollen. Dabei sollten wir darauf achten dass sich unsere direkten Wünsche erfüllen. Der Wunsch ist nicht die Abschaffung des Bachelors sondern Wunsch ist das selbstbestimmte Studieren. Wenn wir innerhalb des Bachelors selbstbestimmt lernen können, dann lohnt es sich auf dessen Abschaffung zu verzichten, wodurch wir unsere anderen (eigentlich wichtigen) Forderungen besser durchsetzten können. Den BA abzuschaffen gleicht einer Bildungsrevolut ion, man muss auch abschätzen ob der Streik die Kraft hat eine Revolution zu werden. Grüße aus Berlin
ich bin Mitarbeiter in der Verwaltung der Uni Köln. Eine Bildungs- bzw. Hochschulreform halte ich für längst überfällig. Ich kann aber der Kölner Erklärung nur teilweise zustimmen. Vor allem die Forderung zur Abschaffung der modularisierten BA/MA-Studiengänge halte ich für keine geeignete Lösung. Eine Reform dieser Studiengänge ist dringend notwendig, aber eine Abschaffung ist unrealistisch. Es kommt m.E. auch vielmehr darauf an, wie diese Studiengänge ausgestaltet sind, nicht wie sich das Ganze nennt. Zudem sind Modularisierung und BA/MA-Studiengänge zwei verschiedene Dinge. BA/MA-Studiengänge sind zwar konzeptionell an eine Modularisierung gebunden, umgekehrt ist dies aber nicht so. Modularisierung kann durchaus einen Studiengang sinnvoll strukturieren und leichter studierbar machen. Und in Modulen können auch Wahlmöglichkeit en für Kurse angeboten werden. Somit muss Modularisierung nicht zwingend schlecht sein.
Insgesamt betrachtet scheint mir die Kölner Erklärung doch recht stark von einem "Elfenbeinturm"-Denken geprägt zu sein. Ich selbst habe berufsbegleiten d studiert (Fernuni Hagen) und die Verbindung aus beruflicher Praxis und theoretischem Wissen (Magister SoWi und Master Medienpäd.) als gegenseitig bereichernd angesehen. Eine Abhängigkeit des Studienangebote s von Interessen der Wirtschaft lehne ich auch ab. Aber ich halte es für sinnvoll, das Studium stärker an den Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten und die aktuellen Probleme in der Gesellschaft stärker zum Gegenstand der Lehre zu machen. Daher plädiere ich für eine stärkere Anwendungsbezog enheit im Studium im Sinne von gesellschaftsre levanter Problemthematis ierung. Zumal dies - nach meinen Erfahrungen - das Studieren erleichtert, da theoretisches Wissen und eigene Erfahrungen so besser miteinander verknüpft werden können.
Als "Berufspraktiker " finde ich es auffallend in der Hochschullehre, dass hier die Studierenden im Grunde "wie Kinder" behandelt werden (auch schon vor Bologna). Hier werden grundlegende Erkenntnisse der Erwachsenenbild ung weitestgehend außer acht gelassen. Teilnehmerorien tierung als wesentlicher Grundsatz von Weiterbildungsv eranstaltungen (außerhalb der Hochschulen) scheint in der Hochschullehre nicht bekannt zu sein. Hier könnte noch viel geschehen, um den Wissenserwerb im Studium zu erleichtern.
Sicher gibt es auch immer Kommilitonen, die in ihrem Verhalten über die Stränge schlagen, aber das ist eher eine Ausnahme und macht den Grund der Proteste nicht weniger triftig.
@marie-lina: in einem Punkt bin ich nicht mit dir einer Meinung: die Umstellung auf BA/MA ist nicht die Wurzel alles Übels. Sie ist ein weiteres Symptom eines gesamtgesellsch aftlichen Wandels hin zur Ökonomisierung aller Bereiche (internationale Vergleichbarkei t im Bildungssektor für bessere Konkurrenzfähig keit auf dem Arbeitsmarkt). In diesem Sinne reicht es nicht, die Einführung von BA/MA zu verhindern, das käme einer Behandlung von Symptomen gleich, die die Krankheit selbst jedoch nicht stoppt.
@jb: diese Erklärung wurde zwar von Lehrenden verfasst, aber durch deine Mitzeichnung erklärst du, dass du ihre Ziele und Argumente unterstützt. Also ran an die Tastatur! ;-)
Eins irritiert mich aber: Es handelt sich um eine Erklärung Kölner Lehrender, die sich mit dem Protest der Studierenden solidarisch erklären. Ich als Studentin habe daher die Erklärung nicht unterschrieben, da dies meinem Verständnis nach den Lehrenden vorbehalten ist, wenn die Erklärung ihren Sinn behalten soll. Warum unterschreiben aber offenbar so viele Studierende?
Ist jemand anderer Meinung?
1. Abschaffung BA/MA: Radikal insofern, als dass die Wurzel des Übels benannt wird (radix = Wurzel). Niemand will "zurück zum Alten", dies wird ersichtlich in §2, letzter Abschnitt: "Die formale und inhaltliche Umgestaltung der Studiengänge ist hiermit nicht aufgekündigt. Eine solche Umgestaltung muss aber in demokratischer Weise und unter Beteiligung von Studierenden, Lehrenden und anderen Verantwortliche n erfolgen." BA/MA sind als ganze falsch und stehen symptomatisch für eine fatale Entwicklung unserer Zeit.
Eine Studienreform ist dringend notwendig!
BA/MA hat aber auf kein bestehendes Problem geantwortet, sondern viele neue geschaffen und die alten Probleme verschlimmert. Sie sind darum auch als ganze abzulehnen, BA/MA darf nicht als Etikett behalten werden, um ein Zeichen zu setzen. Neue Studiengänge müssen geschaffen werden, und bis dahin fordert die Erklärung die unbürokratische Rückführung der BA/MA in die noch bestehenden Studiengänge, übergangsweise. Diese Forderung ist nicht radikaler als die Einführung von BA/MA!
2. Inwiefern nützt die Studiengebühr den Studierenden? Effektiv hat sie Studienbedingun gen verschlechtert, da sie nicht für Strukturbildung verwendet werden darf. Die Studiengebühr fördert prekäre Arbeitsbedingun gen: Lehrende werden oft befristet eingestellt und werden so zu Leih- und Zeitarbeitern. Sie sind oft schon verschwunden, wenn Studierende sich bei ihnen zum Examen anmelden wollen. Zudem forciert sie noch das (Selbst-)verständnis der Studierenden als Unternehmer der eigenen Biografie, die Bildung als Investition betrachten sollen.
Lass Dich nicht täuschen, der Studentenprotes t ist ernsthafter denn je.
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