| Forderungen der Uni-Streikenden |
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| Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 20:01 Uhr |
Hier findet Ihr die Forderungen, die an das Rektorat übergeben wurden. Es handelt sich um eine erste Veröffentlichung der Uni-Streikenden, die Diskussionen sind noch nicht abgeschlossen. Download hierWessen Bildung? – Unsere Bildung!Forderungen der Studierenden der Universität zu Köln, 08.12.2009Unser Forderungskatalog ist nur insofern radikal, als er die Wurzeln des Problems benennt. Die Reformen der letzen Jahre dagegen drohen die Idee der Universität zu entwurzeln: Innerhalb kürzester Zeit hat sich die europäische Hochschullandschaft einer umfassenden Umformung unterzogen, die einer demokratischen Legitimation entbehrt. Ihre Auswirkungen sind fatal, Langzeitwirkungen unüberschaubar. Kein Zweifel besteht an den problematischen universitären Zuständen vor der Bologna-Reform. Glorifizierung und Wunsch zur Restaurierung von Vergangenem liegen diesen Forderungen deshalb fern. Die alte Universität hat Bologna nicht verhindern können – das ist das Hauptargument gegen sie. Die Wichtigkeit von Reformen wird deshalb keineswegs bezweifelt. Jedoch lehnen wir das Paradigma, unter dem die Reformen aktuell vollzogen werden, entschieden ab: Der Bologna-Prozess hat weder auf die bestehende Problemlage geantwortet noch zu ihrer Lösung beigetragen. Er ist ein Instrument zur arbeitsmarkthörigen und wettbewerbsorientierten Umgestaltung des europäischen Hochschulraums. Er beschneidet das Wissen um dessen Macht- und Verantwortungskomponente durch Marginalisierung des reflexiven Moments und unterwirft Bildung einer ökonomistischen Verwertbarkeitslogik, die die Kraft des vernünftigen Arguments nicht mehr anerkennt. Die folgenden Forderungen bilden einen Strukturzusammenhang. Sie benennen das fatale Kraftfeld, innerhalb dessen sich die Transformation der akademischen Kultur vollzieht. Deshalb sind sie nicht gegeneinander zu gewichten und einzeln verhandelbar!§ 1. Wir fordern die Re-Demokratisierung der Hochschule!Das Grundgesetz garantiert die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre in Art. 5 Abs. 3. Das bedeutet: Hochschulen müssen über ihre Angelegenheiten selbst entscheiden können – und das heißt vor allem die innere Struktur, Inhalte der Lehre, Themen und Methoden der Forschung und Verwendung ihrer Gelder. Demokratie ermöglicht die Mitbestimmung aller an gemeinschaftlichen Gestaltungsprozessen. Das Hochschulfreiheitsgesetz hat den Hochschulen ihre demokratische Struktur genommen: Die Einsetzung des mehrheitlich sich aus hochschulexternen Vertreter_innen konstituierenden Hochschulrats bedeutet eine faktische Entmachtung des Senats als Legislative. Weder ist der Hochschulrat demokratisch legitimiert noch besteht die Möglichkeit seiner universitätsöffentlichen Kontrolle, da dessen Sitzungen und Entscheidungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Dekanate etablieren zunehmend pseudodemokratische Top-Down-Strukturen, die die Entscheidungsgewalt der Wissenschaftler_innen beschneiden. Steigende Drittmittelabhängigkeit unterwandert freies Forschen: Immer mehr Forschungs- und Qualifikationsarbeiten finden im Auftrag von Politik und Wirtschaft statt. Zudem haben mit Einrichtung der sechs Akkreditierungsagenturen und des sie akkreditierenden Akkreditierungsrats neben wenigen Lehrenden und Studierenden weitgehend anonyme „Vertreter aus der Berufspraxis“ die Verfügungsmacht über die Bedingungen der Studienwirklichkeit der rund zwei Millionen deutschen Studierenden übernommen. Die Interessen aller Statusgruppen (Professor_innen, Studierende, wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter_innen) innerhalb der Hochschulen können nur berücksichtigt werden, wenn sie durch gleichgewichtige Stimmanteile (Viertelparität) in den wichtigen Gremien (wie z.B. dem Senat) vertreten sind. Die Freiheit der Forschung darf durch Einfluss wirtschaftlicher Partikularinteressen nicht eingeschränkt werden. Das Hochschulfreiheitsgesetz muss zurückgenommen, die Hochschulverfassung reformiert und der Hochschulrat aufgelöst werden! Dies muss durch ein demokratisch legitimiertes, glaubwürdiges Gremium und in öffentlich-kritischer Reflexion geschehen.§ 2. Wir fordern die Abschaffung der Bachelor-/Master-Studiengänge!Die erhoffte Entbürokratisierung, Mobilität und Garantie einer Berufsqualifizierung ist mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge nicht eingetreten. Anstatt bürokratischen Aufwand zu reduzieren, haben sich die Hochschulen in einen Strudel der Selbstbürokratisierung begeben. Am Ende dieses Prozesses stehen teils tausend Seiten dicke Modulhandbücher, fehlerhafte Plattformen zur online-Vergabe von Lehrveranstaltungen (KLIPS) und Institutionen (SSC), die nur Fehlerkorrektur dieser Plattform betreiben sollen. Gestiegener Verwaltungsaufwand auf Seiten der Lehrenden, Studierenden und nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter_innen wirkt sich fatal auf die Lehr- und Forschungssituation aus. Inhaltliche Auseinandersetzung tritt zunehmend zurück hinter die Organisation des universitären Alltags. Mit der Einführung der Ba-/Ma-Studiengänge ist eine Curricularisierung des Studiums einhergegangen, die kaum Raum für ein freies, interessen- und sinngeleitetes Studieren und Forschen lässt. Modularisierung schränkt die Wahlmöglichkeit von Lehrinhalten beträchtlich ein. Das hat eine Zerstückelung von Wissensinhalten zur Folge, die nicht mehr sinnvoll aufeinander bezogen werden können. Lehrinhalte folgen den Maßgaben von Kompetenzerwerb und Verwertbarkeitslogik statt einer Sachlogik. Um das Studium zu re-akademisieren, muss wieder auf Fachsystematik und Reflexion über Inhalte und Methoden gesetzt werden. Auf der Basis der bestehenden Studiengänge Diplom, Magister und Staatsexamen müssen Studiengänge schrittweise neu geschaffen werden. Die für diese Aufwertung der Studienabschlüsse benötigten Institutionen, Organisationsformen und Strukturen (Studien- und Prüfungsordnungen, Prüfungsämter) existieren noch und garantieren einen erfolgreichen Abschluss des Studiums in der Übergangszeit. Dies muss durch unbürokratische Anerkennungsverfahren geschehen und darf keinerlei Benachteiligungen mit sich führen. Das bedeutet auch, dass ein begonnenes Bachelor- oder Masterstudium beendet werden kann.§ 3. Wir fordern die Abschaffung der Studiengebühr!Die Studiengebühr fordert die Studierenden in doppelter Hinsicht zu rein ökonomischem Denken auf: Sie forciert das Selbstverständnis der Studierenden als Humankapital und macht sie zu Unternehmern ihrer Biographie. Zugleich wird Bildung als Mittel zur Steigerung der eigenen marktmäßigen Verwertbarkeit gedacht. Tatsächlich verschlechtert die Studiengebühr effektiv die Studienbedingungen, da diese Mittel nicht zur Strukturbildung verwendet werden dürfen: Die Studiengebühr fördert prekäre Arbeitsbedingungen. Lehrende werden oft befristet eingestellt und werden so zu Leih- und Zeitarbeitern. Sie sind oft schon nicht mehr an der Hochschule beschäftigt, wenn Studierende bei ihnen eine Prüfung ablegen wollen. Die Studiengebühr ist sozial ungerecht. Wer aufgrund seiner finanziellen Lage einen Kredit aufnehmen muss, zahlt effektiv mehr als finanziell besser Gestellte! Die Studiengebühr ist unnötig: Bund und Länder verfügen über hinreichende Mittel zur Finanzierung des Bildungswesens; sie sind nur nicht bereit, diese Mittel aufzubringen. Die Kürzung der staatlichen Finanzierung öffentlicher Institutionen fördert die Einflussnahme privater Investoren. Daher muss die Studiengebühr abgeschafft und in gleicher Höhe durch öffentliche Mittel ersetzt werden! Nur so ist der verlässliche Aufbau einer festen Personalstruktur gewährleistet, die Kontinuität und Qualität der Lehre sichert.unterzeichnen Neben der Möglichkeit, die Kölner Erklärung zu unterzeichnen, gibt es nun auch die Möglichkeit, diese Erklärung hier zu kommentieren: |

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Kommentare
Wir möchten, dass beides ermöglicht wird. Diejenigen Studierenden, die ihren BA/MA abschließen wollen, sollen dies tun können. Den anderen soll ein unbürokratische r Wechsel ermöglicht werden.
ich bin auf Deinen Beitrag im Forum eingegangen. Die Kommentarfunkti on verfranst zu sehr, wenn man anfängt hier zu diskutieren.
http://www.bildungsstreik-koeln.de/forum/viewtopic.php?f=6&t=16&p=25#p25
Aber: Niemand will hier zurück zum Alten! Niemand behauptet, dass früher alles besser war.
Es geht um die Neuschaffung von Studiengängen, und solange Ba/Ma die Katastrophe bedeuten, wie wir sie momentan vorfinden, um eine Übergangsregelu ng, und da haben wir festgestellt, dass Diplom/Magister/Staatsexamen immer noch besser waren als Ba/Ma.
Die guten Elemente aus Ba/Ma kann man in die neuen Studiengänge gerne mitnehmen, sofern wir demokratisch entscheiden, welches diese guten Elemente denn sind. Das geschieht aber erst in einem zweiten Schritt, zunächst geht es um den Anstoß des Dialogs und um die Gründung eines Gremiums zur Findung der neuen Studiengänge.
Inhaltlich grenzt sich das Forderungspapie r m.E. nicht eindeutig genug von konservatier Kritik ab. "Wurzeln des Problems" werden nur begrenzt genannt. Das Stichwort Re-Demokratisierun g deutet eher sogar in die Richtung konservativer Kritik, vor allem im Zusammenhang mit der Forderung zurück zu den alten Studiengängen zu kehren, welche dann demokratisch geändert werden können. Die Hochschulen in Deutschland waren meines Wissens nie demokratisch, da der Senat stets eine professorale Übermacht hatte. Dies jedoch entsprach und entspricht immernoch oft den Vorstellungen von Professorinnen und Professoren von Demokratie an der Hochschule. Dahin zurück zu wollen (Re-Demokratisierun g), ist m.E. nicht der richtige Weg. Es sollte endlich mal eine wirkliche Demokratisierun g gefordert werden und stattfinden. In der Kölner Erklärung findet sich lediglich der Anspruch, die Gestaltung der Studiengänge "unter Beteiligung von Studierenden, Lehrenden und anderen Verantwortliche n" anzupacken (ein Studierender im Senat, oder 2 oder bloß Rederecht?). In der Erklärung Studierender der Uni Köln findet sich in der Erläuterung immerhin die konkrete Forderung nach Viertelparität. Die Vokabel "Re-Demokratisierun g" finde ich dennoch problematisch. Denn die Forderung nach paritätischer Besetzung der zentralen Hochschulgremie n könnte bei der Debatte um Redemokratisier un g unter den Tisch fallen. Es wäre besser, ganz klar zum Ausdruck zu bringen, dass wir etwas neues wollen und nicht altes wieder herstellen. Und dass unsere Vorstellung von Demokratie an der Hochschule noch nie erfüllt war.
Die Forderung Ba/Ma abzuschaffen, ist in meinen Augen viel zu kurz erklärt. Es gibt einige Aspekte, die nicht beachtet werden, z.B. dass sich inzwischen zumindest formal eine Möglichkeit bietet, nun auch den FH-Studierenden den Weg zur Doktorarbeit einfacher zu öffnen. Ein weiterer Punkt ist, dass gestufte Studiengänge den sog. bildungsfernen Schichten die Entscheidung für ein Studium erleichtern, da das riesige Studium in besser überschaubare Ziele geteilt werden kann, wenngleich natürlich sicher gestellt sein muss, dass der Weg bis zum Ende für alle frei steht, die sich dafür interessieren. Diesen Gedanken des Ba/Ma-Systems wird bei einer Abschaffung zunächst auch erst mal abgesagt.
Ich halte es für falsch, den Weg zum Neuen über das Alte zu suchen. Jim Morrison hat mal sinngemäß gesagt, dass zuerst das Schreckliche kommen muss, damit Platz für das Schöne ist. Dies im Hinterkopf eröffnet das Bewusstsein, aus der aktuell heftigen Schieflage des Bildungssystems etwas neues zu schaffen.
Solidarische Grüße
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